CV


D Peter Garmusch lebt und arbeitet in Wien

Die Studios von Peter Garmusch

In den Studioprojekten begibt sich Peter Garmusch für einen Monat in für ihn fremde Städte, um sich in einem angemieteten Studio intensiv mit seiner neuen Umgebung auseinanderzusetzen. Wenn er durch diese streift, dann greift er auf Freuds Konzept der gleichschwebenden Aufmerksamkeit zurück (Freud würde vermutlich sagen, unbewusst). Es beschreibt eine Haltung, in der alles an Vorwissen ausgeblendet wird, um jeder Sache gleich viel Beachtung zu schenken. Ohne Vorannahmen werden so Aussagen und Eindrücke aufgenommen und damit gelingt ein Ausstieg aus dem, was üblicherweise wahrgenommen wird – und neue Erkenntnisse werden möglich.
Peter Garmusch lässt sich von den Städten, ihren Dingen und ihren Menschen treiben und wird mit allen Sinnen gefordert. Gerüche, Geräusche, Bilder strömen auf ihn ein - mit großer Offenheit und Achtsamkeit der neuen Umgebung gegenüber beeinflussen diese Sinneswahrnehmungen seine Perspektive. Das erlaubt ihm, Lösungen für die in diesen Städten alltäglichen Herausforderungen zu erkennen; Lösungen für Situationen, die sich in der Vertrautheit der Heimat gar nicht erst ergeben. Diese Wahrnehmungen finden sich nicht nur in den Handlungen der Menschen um ihn herum, sondern auch in den Artefakten, die zurückgelassen werden. Mit einer Mischung aus ethnografischem Interesse und Freude an der Imagination kommt er so der Außergewöhnlichkeit im Alltag, der Kunst in der schnellen, unbedachten Lösung, der Ordnung im vermeintlichen Chaos auf die Spur.
Diese Herangehensweise bedeutet nicht nur, Fundstücke in ihrer Umwelt (fotografisch) einzufangen, sondern auch Gegenstände und Materialien in einen neuen Kontext zu bringen und auszuprobieren, welchen Beitrag der Kontext hat oder wie sich Kombinationen mit anderen Gegenständen auswirken.
Am Ende geht es darum, für Neues aufgeschlossen zu sein, das Vertraute in Frage zu stellen und damit die eigene Welt ein Stückchen zu bewegen – sei es jetzt sie zu öffnen, verschieben oder gar auf den Kopf zu stellen.

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E Peter Garmusch lives and works in Vienna

Peter Garmusch’s Studios

In his studio projects, Peter Garmusch visits cities he does not know for a month to deal intensively with his new environment in a rented studio. When he roams the city, he uses Freud’s concept of evenly-suspended attention (Freud would probably say, he does so unconsciously). It is an attitude that blends all prior knowledge out to give all things the same amount of attention. Thus, statements and impressions are taken in without preconceptions, allowing a step back from what is usually noticed, making new insights possible.
Peter Garmusch lets himself drift in the cities, their things and their people and is challenged with all his senses. Smells, sounds, images stream through him. With great openness and awareness towards his new environment, these sensations influence his perspective. This makes it possible for him to see solutions to everyday problems in these cities; solutions for problems that do not even arise in the familiarity of home. They are not just visible in the attitudes of the people around him, but also in the artefacts left behind. With a mixture of ethnographic interest and the joy of imagination, he finds the exceptional in the ordinary, the art in the fast, thoughtless solution, the order in apparent chaos.
This approach leads him to not only (photographically) capture his finds in their environment, but to also bring those objects and materials into a new context. This allows him to experiment with the effect of the context or of combinations with other objects.
In the end it is about being open for new things, questioning the familiar and thus move your own world a little bit – be it to open it, to shift its position or even to turn it upside down.

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Studio Cairo im projektraum viktor bucher 02.05.2019


D Zur Ausstellung:
Hier stapeln sich Autos und Kühler und es verstecken sich Autos unter bunten Stoffen – aber wieso? Vermutlich handelt es sich um pragmatische Lösungen, aber ist es nicht genauso vorstellbar, dass es sich um Kunstinstallationen handelt? Ist alles zufällig entstanden oder gibt es ein ausgeklügeltes System? Sind da überhaupt Autos unter dem Stoff? Und was passiert, wenn ich den Stoff von den Autos nehme und ihn in neue Formen gieße – handelt es sich weiterhin um einen Autoüberzug?
Diese und andere Fragen werfen die Arbeiten von Peter Garmusch auf, die in der Ausstellung zu sehen sind. Mit den in Kairo entstandenen Arbeiten reflektiert der Künstler das Spannungsfeld von Material, Funktion und Handeln und holt die subtile Kunst der alltäglichen Lösung vor den Vorhang.
Mit seiner Kamera als Suchscheinwerfer zeigt Peter Garmusch Prozesse in scheinbar statischen Momentaufnahmen: nach dem spektakulären Alltag oder dem Alltag des Spektakulären, nach Widersprüchen und Ambivalenzen, nach dem Innenleben im Äußeren. Hier wird wirklich gesehen, was sonst nicht angeschaut wird und eingeladen, den Gegenständen selbst Gehör zu schenken und damit den skulpturalen und symbolischen Gehalt des Abgebildeten zu würdigen.
E There are cars and coolers stacked here and cars are hidden under colorful fabric – but why? Most likely, those are pragmatic solution, but isn’t it equally likely that they are art installations? Was everything put into place by coincidence, or is there a sophisticated system? Are there actually cars beneath that fabric at all? And what happens when I take the fabric from the cars and pour it into a new shape – is it still a car cover then?
These and other questions arise through Peter Garmusch’s work that can be seen in the exhibition. The artist reflects on the relationships between material, function and action with the artwork that was created in Cairo, bringing the subtle art of the everyday solution center stage.
With his camera as a searchlight, Peter Garmusch shows processes in apparently static snapshots: looking for the spectacular in daily routine or the daily routine of the spectacular, for contradictions and ambivalences, for the interior in the exterior. Here, what is usually overlooked, is seen. The invitation stands to listen to the objects themselves and thus honor the sculptural and symbolic character of the pictured.



Studio Cairo 02.05.2019


D 2016 verbringt Peter Garmusch einen Monat lang in Kairo, wo er sich ein Studio mietet, in dem er alleine, aber teilweise auch mit anderen Künstler*innen arbeitet. Er macht jeden Tag intensive Touren durch die Stadt, die alle Sinne fordern. Durch Lärm, Staub und enge Gassen, beladen mit Equipment und mit einem künstlerischen Konzept im Hinterkopf, das anschließend an neue Eindrücke regelmäßig angepasst wird, macht er sich auf die Suche nach Motiven, Material und Gegenständen, die zu ihm sprechen, immer mit einem achtsamen Blick für das Handeln der Menschen um ihn herum.
Seine Inspiration findet er nicht immer an den vermeintlich schönen Orten– seine Touren führen ihn zu Straßenmärkten genauso wie zu Müllhalden. Gelegentliche Begegnungen mit der Zivilpolizei und klärende Gespräche über sein Vorhaben sorgen manchmal für Aufregung.
Der skulpturale Charakter kunstvoll verhüllter Autos und deren symbolische Kraft, ist einer der zentralen Fokuspunkte für den Künstler. Abstrakt wahrgenommen und der ursprünglichen Funktion enthoben entwickeln diese „readymades“ des Alltags, eingebettet im soziokulturellen Milieu von Kairo, eine besondere Energie.
Die faszinierende Welt von Autos, Autoteilen und den Autoüberzügen fungiert hier für Garmusch als Ausdrucksebene. Zwei solcher „Carcover“ - einer Autohaut, die Außen und Innen definieren beziehungsweise darunter und darüber abgrenzen - erwirbt er von den jeweiligen Besitzern, um mit der vorgegebenen Form und dem Material zu experimentieren. Die Zerlegung und die Zerstückelung von Autos in ihre Einzelteile bilden einen weiteren analogen Zugang in der kreativen Beschäftigung mit Form und Inhalt dieser Ausdrucksebene von Kairo.
Angefüllt mit der Atmosphäre der Stadt, mit der er tagsüber zu verschmelzen versucht, kehrt er nach seinen Touren in das Studio zurück, das er in diesem Monat von einem einfachen Raum in einen Ort verwandelt, wo er seine Erfahrungen und Erlebnisse sortieren, konzeptionieren und transformieren kann – kurz, eine Keimzelle, in der kreative Prozesse möglich werden, von konzeptioneller Schreibarbeit zu Skizzen zu Gesprächen zur konkreten Arbeit am und mit dem Material. In einer ständig fließenden Bewegung von Konzept zu Erlebnissen, durch Experimente und Tüfteleien kann er in seinem Studio seinen Eindrücken Ausdruck verleihen und es zum Spiegel seiner Erfahrungen werden lassen.
E Peter Garmusch was in Cairo for a month in 2016. He rented a studio there where he worked mostly on his own, but also sometimes with other artists. He goes on intense tours through the city every day that challenge his senses. Through noise, dust and narrow alleys, laden with equipment and with an artistic concept in the back of his head that he regularly adapts after new impressions, he looks for motives, materials and objects that talk to him, always with an attentive eye for the actions of the people around him.
He finds his inspiration not just at the places assumed beautiful – his tours bring him to street markets as much as waste dumps. Encounters with police officers and conversations meant to make his project clearer are cause for excitement.
The sculptural character of covered cars and their symbolic power is one of the central focus points for the artist. Perceived in the abstract and removed from its original function, these everyday ready-mades, embedded in Cairo’s sociocultural milieu, develop a special energy.
The fascinating world of cars, car parts and car covers becomes a mode of expression for Garmusch. He busy two such car covers – a car skin, that defines outside and inside or rather separate above and below – from their owners to experiment with the predetermined form and the material. The dissection and dismemberment of cars into their parts provide another possibility to engage creatively with form and content of this mode of expression of Cairo.
Filled with the atmosphere of the city into which he tries to melt during the day, he returns to his studio after the tours. In this month, he changes it from a simple room to a space where he can sort, conceptualize and transform his experiences – in short, it becomes a gamete for creative processes from conceptual writing to sketches to conversations to concrete work on and with the material. In a perpetually fluid movement from concept to experiences, through experiments and tinkering, he can turn his impressions into expressions and let them become the mirror of his experiences.



Peter Garmusch über seine Arbeit 27.06.2014


D ..."Meine Fotografien sind nie nur das Festhalten eines bestimmten Momentes, sondern das Ergebnis eines langen Prozesses. Es entstehen zumeist großformatige Fotografien, die Skulpturen abbilden, die inszenatorisch und dramaturgisch in Szene gesetzt werden. Diese Skulpturen/ Gegenstände können ready-mades sein oder auch von mir speziell angefertigte Werke. Gemein ist ihnen, dass sie aus ihrer Umgebung und Bedeutungszuschreibung herausgelöst werden. Durch die Fotoarbeit erfährt das Dargestellte nochmals einen Veränderungsvorgang, indem es in seiner Dimension verändert und in einen neuen Kontext gestellt wird."
E ''...My work is never about just capturing a particular moment; it's the result of a long process, which gives rise to mostly large scale photographs depicting sculptures that take center stage. These sculptures/objects are either ready-mades or things that I've created myself. What they have in common is that they're dissociated from their surroundings and the meaning that is generally attributed to them. Photographing the object/sculpture engenders an additional transformation process, taking everyday objects and, for example, changing their dimensions so much that a new context appears..."



Nina Schedlmayer in raw 30.06.2015


D Auf den Leib gerückt

Einst klopfte das tropfende Herz in einem Schwein. Jetzt scheint es in der Luft zu schweben. Ein Gummiring schlingt sich um das Organ. Es ist fast, als sähe man ein menschliches Herz, das hier zwar dysfunktional ist – durch die Einschnürung aber gewissermaßen noch weiteres Ungemach erleidet. Es wirkt, als wäre es weder tot noch lebendig.
Vielleicht lässt einen das Bild deshalb so sehr erschaudern (Sigmund Freud erkannte die Ungewissheit, ob etwas am Leben sei oder nicht, als eine Kategorie des Unheimlichen).

Peter Garmusch inszeniert in seinen Fotografien Gegenstände so, dass sie wie Skulpturen wirken. Wie das Schweineherz erscheinen auch die verpackten Perücken, die er auf Sumatra auftrieb, ortlos. Tatsächlich wurden sie mit Hilfe aufwändiger Konstruktionen in Distanz zu Böden und Wänden gehalten. Nur ab und zu erkennt man, ansatzweise, die Struktur einer Mauer. Den Dingen wird so ein ikonischer Charakter verliehen (auch Andachtsbilder besitzen manchmal bloß einen monochromen Hintergrund). Ihre Wirkung beziehen diese Arbeiten darüber hinaus aus ihrem Gewicht – die Fotografien sind zumeist in schwere Rahmen gefasst.

In der Fotoserie „Turbulent Gold“ präsentiert Garmusch Autos, die bei Unfällen zerstört wurden, in einem provisorischem Raum aus Goldfolie – es handelt sich um sogenannte Unfallfolie, die in jeder Autoapotheke sein sollte; eine recht trashige Erscheinung. Im Gegensatz zu Andy Warhols „Car Accidents“ und Armans Assemblagen gequetschter Karosserien geht es Garmusch um einen Nebeneffekt des Unfalls: In den kaputten Fahrzeugen gefror die Aktion eines Sekundenbruchteils – wie in der Fotografie übrigens. Dass hier zwei Gegenstände mit unglaublicher Energie aufeinanderprallten, gibt den Objekten eine zusätzliche Dimension (übrigens handelt es sich ausschließlich um Fahrzeuge, in denen niemand starb).

Seine Serie nahm Garmusch in Kampala auf; dort richtete er sich temporär ein Fotostudio ein, streifte durch die Straßen und nahm Bilder mit: Einen Marktstand, auf dem Reizwäsche und Religiosität aufeinander treffen. Einen riesigen Taxistand, auf dem Autos ineinander verkeilt und dennoch durch eine undurchschaubare Ordnung organisiert sind. Ein Einkaufszentrum, vor dem bunte Autobusdächer eine fast abstrakte Fläche bilden.

Unterstützt das große Format bei den Objektfotografien die skulpturale Erscheinung von Herzen und Perücken, so lädt es einen bei den Bildern, die urbane Situationen wiedergeben, ein, die Szenerien gleichsam zu betreten: Es ist, als wäre man plötzlich selbst inmitten von Kleinbussen und Wäschebergen. Garmuschs Fotografien rücken einem geradezu auf den Leib.
E Up close and personal

At one time, the heart dripping blood was beating inside a pig. Now, it appears to be hovering in mid-air. A rubber band is wrapped around this seemingly human heart. By wrapping a rubber band around it, it seems as if this dysfunctional organ is most definitely subjected to further suffering; we can't tell if it's alive or dead.

Perhaps that's why this picture is so unsettling (Sigmund Freud categorized the uncertainty as to whether or not something is alive as an aspect of the uncanny). Peter Garmusch arranges objects in his photographs so that they appear to be sculptures. Both the Ugandan pig’s heart and the wigs he found on Sumatra, still in their original packaging, appear to be placeless. In fact, with the help of elaborate constructions, the objects seem to be in the air and not supported by a wall. It’s only occasionally that the structure of a wall is visible; this imparts the objects with an iconic character (sometimes religious icons only have a monochrome background as well). Additionally, by photographing the objects in a way that focuses on their largeness, these photographs become even weightier – most of the photographs are presented in heavy frames.

In the photo series “Turbulent Gold”, Garmusch presents cars that were destroyed in accidents, using a makeshift room made out of gold foil. The foil is used to make space blankets, one of the things that should be in every driver’s trunk, creating a genuinely trashy appearance.

Unlike in Andy Warhol’s “Car Accidents” and Arman’s assemblages of crushed car bodies, Garmusch uses the totaled vehicles to convey one of the side effects of an accident: the act of capturing what transpires within a millisecond. This is one of the principles of photography, by the way. The fact that two objects collided with one another with an unbelievable amount of energy gives them an added dimension (fortunately, no one was killed in any of the cars used in the photo series).

Garmusch shot his series in Kampala; he set up a temporary photography studio there and took pictures while wandering through the streets of the Ugandan capital: a market stand, where lingerie and religiosity meet; a huge taxi stand, where the cabs are parked haphazardly, yet with some sort of enigmatic sense of order, appear to be organized; a shopping center, with an almost abstract surface in front of it, created by colorful bus roofs. While the large format used to photograph the heart and the wigs gives rise to the objects' sculptural appearance, the photographs of urban situations beckon us to actively participate in their scenarios; suddenly, it's as if we were standing in the middle of a group of minibuses and mountains of laundry. Garmusch's photography gets up close and personal.



Zur Ausstellung Pascha in der Expositur Jennersdorf 15.04.2017


D Die Ausstellung Pascha (lateinisch Pascha = Ostern) zeigt ausgewählte Werke der letzten zehn Jahre. Zu sehen ist der Output von längeren Aufenthalten in Kairo, Kampala, Bamako,
Sumatra, etc. Im Rahmen von „Studio Projekten“— in denen der Künstler sich vor Ort ein Atelier
einrichtet— entstehen Fotografien, Installationen und Skulpturen sowie Sammlungen aus Gegenständen, Film- und Tonaufnahmen und Eindrücken jeglicher Art. Damenperücken aus Sumatra, Mopedtaxifahrer aus Kampala, verdeckte Autos auf den Straßen Kairos, u.a. werden zu Akteuren in Garmusch’s Arbeiten.

Zwischen Rekombination und Situation.
Charakteristisch für seine Arbeit ist die subjektive Bedeutungsaufladung von Objekten indem
sie zerlegt, untersucht und neu zusammengebaut werden. Der inszenatorische Rahmen bleibt dabei oft sichtbar. Stilistisch zeigt sich die Rekombination durch Veränderung der Größe, des Hintergrunds oder durch spielerische Verfremdung der ursprünglichen Zuschreibung.
Ebenso charakteristisch für seine Arbeit ist das Entdecken und Zeigen der Situation. Zufällig vorgefundene Gegenstände — Kompositionen des Alltags — werden eingeladen ihren skupturalen Charakter zu entfalten. Nach dem Prinzip der Offenheit erforscht der Künstler
die Situation und lotet die Grenzen des Möglichen und Unmöglichen aus. Abduktiv schließt er auf bisher unbekannte Bedeutungsgehalte. Im Moment der Aufnahme vollzieht sich sowohl das realistische Abbild, als auch die Sichtbarmachung des Konflikthaften. Die rohe Wesensnatur des bloßen Gegenstandes zeigt sich. Das Objekt entrinnt seiner herkömmlichen Zuschreibung und tritt selbst als Sprecher auf.
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Zur Ausstellung Studio Kampala im AAI Graz 15.01.2015


D Die Begegnung mit anderen Kulturen, ist oft von Skurrilität und Humor geprägt. Gegenseitiges Unverständnis, durchaus aber Interesse sowie unterschiedliche Wertmaßstäbe scheinen Handlungsabläufe und Beobachtungen zu bestimmen.
Wenn Peter Garmusch in Ugandas Hauptstadt Kampala ein Fotostudio einrichtet, treffen zwei Kulturtraditionen aufeinander. Obwohl gerade die Fotografie in Afrika seit den 1960er Jahren eine besondere Rolle spielt, bleibt der westliche Besucher mit seinem Fotoapparat in gewisser Weise ein Alien. Garmusch zitiert mit seinem „Studio Kampala“ jene Straßenlokale, die Fotodienstleistungen anbieten – von Passfotos bis zu Hochzeitsfotos und Portraitaufnahmen.
Er nutzt die performative Dynamik, die zwischen westlicher Reisefotografie und der afrikanischen Selbstdarstellung bzw. dem Alltäglichen entsteht. Gewohntes wird von ihm aus dem lokalen Kontext isoliert und fotografiert. So wird beispielsweise ein vollbepacktes Fahrrad im Foto zur Skulptur. Es geht ihm dabei nicht nur um die visuelle Wahrnehmung. Deswegen kombiniert er seine großformatigen Fotos oft mit Alltagsgegenständen oder Tönen um einen ganzheitlicheren Eindruck zu erzeugen. Die Fotografie ist dabei Mittel zum Zweck. Die Begegnung auf einer interkulturellen Ebene wird zur sozialen Performance, die alle Sinne anspricht.

Günther Holler-Schuster
Universalmuseum Joanneum
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